21 Nov 2007
mindset. - Gegen den Trend
Bericht aus dem Magazin “Auto Mortor und Sport”; Heft 23/2007
Ex-Volkswagen-Designchef Murat Günak über die allgemeine Entwicklung im Automobilbau und sein eigenes Hybrid-Auto, das 2008 auf den Rädern stehen soll.
Nach Stationen bei Mercedes, Peugeot und als Designchef von Volkswagen arbeiten Sie nun als Vorstandsvorsitzender der Mindset AG in der Schweiz an einem eigenen kompakten Hybrid-Modell. Warum haben Sie die Welt der großen Automobilkonzerne verfassen?
Günak:
Sie wissen. Wie schwer sich die Autoindustrie mit der Zukunft tut. Alles wird noch perfekter, noch größer, noch schwerer. noch komplizierter und noch teurer. Es ist kein Wandel zu sehen. Im Grunde bekommen Gegenstände ihre Wertigkeit. Indem sie leicht sind, einfach bedient werden können und im Design reduziert sind. Die Autoindustrie läuft gegen diesen Trend. Ich bin überzeugt, dass nur ein Unternehmen mit Freidenkern ein solches Fahrzeugkonzept auf die Beine stellen kann. Deshalb sehen wir unser Unternehmen nicht als Konkurrenz. sondern eher als Ergänzung zu den großen Automobilfirmen.
Neben dem Firmensitz in Luzern haben Sie noch eine Dependance in Paris. Warum?
Günak:
Wir wollten Menschen reinholen. die keine Autoleute sind. In unserem Studio arbeiten Kunsthistoriker, Möbeldesigner, Denker. die durch das Leben in Paris geprägt sind. In Paris bauen wir auch das Interieur-Modell bei einer Firma. die für die Möbelindustrie arbeitet. Das Exterieur-Modell entsteht in Österreich.
Wie sind Sie nach Luzern gekommen?
Günak:
2000 habe ich in Lugano heim Spazierengehen ein Twike gesehen. ein dreirädriges Fahrzeug für zwei Personen mit Tret- und Elektroantrieb. Das hat mich fasziniert. Und deshalb habe ich mich mit dem Schweizer Team in Verbindung gesetzt. Die haben immerhin 800 dieser Leichtmobile in den Markt gebracht. Jetzt habe ich diese Verbindung wieder aufgenommen. Wir sind eine Gruppe von Leuten mit hochprofessionellem Auto-Know-how. Dies ist keine Hinterhofgarage. Und wir haben mit Spiet Avert einen gesunden Finanzpartner, der sein Geld mit Umweltprojekten verdient hat.
Wie viele Leute arbeiten an diesem Projekt in der Schweiz?
Günak:
Hier sind wir zehn Leute im Kernteam. Wir haben aber ein relativ enges Netzwerk an Zulieferern. auch in
der Batterietechnik.
Mit welcher Batterie werden Sie denn fahren?
Günak:
Es gibt drei technische Ansätze: Zink-Luft, Lithium-Jonen und Nickel-Metall. Die ersten Prototypen. die schon 2008 auf die Straße kommen sollen. werden wohl mit Nickel-Metall-Batterien
fahren.
Ihr Auto soll aber ein Hybrid-Fahrzeug sein?
Günak:
Ja. im reinen Batteriebetrieb werden wir über 100 Kilometer schaffen. Für längere Strecken soll es die
Möglichkeit geben, die Batterie mit einem kleinen Dieselmotor aufzuladen.
Sie nennen Ihr Modell six50. Warum?
Günak:
Das steht für unser Gewichtsziel von 650 Kilogramm.
Das Auto soll aber alle Sicherheitsstandards erfüllen?
Günak:
Wir gehen keine Kompromisse ein, weder bei der Sicherheit noch beim Gebrauchsnutzen.
Was ist dos Besondere?
Günak:
Einige Parameter sind wichtig: Wir möchten. Dass das Fahrzeug sein geringes Gewicht zeigt. dass durch die Reduzierung auch eine Exklusivität entsteht. Die Leichtigkeit und Ästhetik sind dem Automobilbau verloren gegangen. Gleichzeitig muss das Modell einen Status haben, und es muss seriös sein. Es ist kein Billig-Auto und kein reines Stadtmobil. sondern eines, das Autoliebhaber ansprechen soll. Es geht nicht nur um Zero-Emission, es geht auch um Fahrspaß.
Ist Ihr Auto in der Kompaktklasse einzustufen?
Günak:
Wir haben eine Gesamtlänge von etwas über vier Metern. Damit Ist unser Auto etwas kürzer als ein VW Golf. Der Körper ist extrem schlank - im Prinzip die coupé-hafte Silhouette eines Sportwagens. Damit der Kunde “eine Kompromisse beim Ein- und Aussteigen machen muss, haben wir eine erhöhte Bodenfreiheit. Und dadurch hat der Fahrer eine gute Übersicht.
Ein Auto für zwei Personen?
Günak:
Das ist die Grundkonzeption. Weil ja alles gewichtsrelevant ist, kann der Kunde im Fondbereich selbst entscheiden, ob er zwei zusätzliche Plätze oder etwa ein Custom-made-Gepäckabteil möchte. Das wird ein echt spektakuläres Auto sein. Und das Spektakuläre kommt durch das Konzept und die Proportionen. Dabei haben wir ein ganz reduziertes Design. Eine einfache, klare Front und ein wie abgeschnitten wirkendes Heck. Ganz klar, zeitlos muss es sein.
Und innen?
Günak:
Wir arbeiten bewusst nicht mit Autodesignern. Weil wir ein ganz spezielles Interieur wollen. Es muss extrem leicht sein. Und wir möchten diese Leichtigkeit dazu benutzen, einen Stil zu kreieren. In dem man wieder leben kann und Freiräume hat. Exterieur und Interieur sollen die Ästhetik der Reduzierung verdeutlichen. Lassen Sie sich überraschen.
Wen wollen Sie mit diesem Konzept ansprechen?
Günak:
Unser Traum ist es, Menschen anzusprechen, die gern Auto fahren und gerade deshalb nach neuen. Zukunftsträchtigen Lösungen suchen. Erst der zweite Punkt sollten der Verbrauch und die Emissionen sein.
Was soll Ihr Auto kosten, und wie viele Fahrzeuge wollen Sie pro Jahr bauen?
Günak:
Wir sind in intensiven Gesprächen mit einem Produktionspartner. Unser Anfangsziel sind 10000 Autos pro Jahr. Wir möchten in der Schweiz beginnen. Es gibt da keine Autoproduktion, aber eine hohe Kaufkraft und Autoleidenschaft Hier soll sich das Auto durchsetzen. Der Preis wird bei 30 000 Euro liegen.
Sie arbeiten bei Mindset mit einem kleinen Team in einem umgebauten Bootshaus. Was entsteht hier. was werden Sie von anderen übernehmen?
Günak:
Mindset versteht sich als Ideenfabrik. Hier entstehen Konzept, Design. Package und Marketing. Alles andere, die Entwicklung, Produktion, Homologation und der Vertrieb werden ausgelagert.
Wann wollen Sie mit der Produktion beginnen?
Günak:
Die ersten Prototypen sollen Mitte 2008 auf der Straße sein. Für die Produktion suchen wir einen externen Partner. Sie soll langsam hochgefahren wurden. Ende 2009 wollen wir unsere volle Kapazität am Laufen haben.
Das Interview führte auto motor und sport-Redakteur Bernd Ostmann
Fotos: Hans-Dieter Seufert
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